Die Zukunft von Spiele-, Film- und Musikindustrie
15. Juli 2009
Wie doch ein Teenager die Welt in Atem halten kann…
Ein Praktikant bei der Morgan Stanley Bank hat eine Analyse zur Mediennutzung von Teenagern veröffentlicht. Das interessante daran: Er ist selber erst 15 und spricht damit aus seiner Generation für seine Generation. Das Resultat ist, dass die Industrie wohl auf kurz oder lang ein Problem bekommen wird. Denn der Report prophezeit das Ende der Medien, so wie wir sie kennen…
Viele Menschen werden darüber nicht überrascht sein, gehen sie doch mit offenen Augen durch die Welt. Die Industrie selber hingegen realisiert leider erst langsam, was in Zukunft eigentlich passieren wird. Aber vielleicht will sie die Wahrheit einfach auch noch nicht sehen…
Aber langsam: Wir sprechen hier von drei verschiedenen Zweigen, nämlich Musik-, Film- und (PC-)Spieleindustrie. Sie alle bekommen ein Problem. Der Versuch einer Erklärung – oder:
Was ist eigentlich schiefgelaufen?
1. Die Musikindustrie
Lange Zeit konnte sie mit ihren Künstlern einen Haufen Geld scheffeln, dann kam die MP3 – und mit ihr kamen die Tauschbörsen. Napster war die erste, die die MP3 verbreitete. Man möchte denken – ein super Konzept: Musik über das Internet austauschen. Doch: Wer bezahlt das, wenn die Musik plötzlich aus dem Internet kommt? Die Musikindustrie erkannte zwar das Potential der MP3 – doch ging entschieden dagegen vor, statt es für sich zu entdecken. Fehler Nr.1: Die RIAA klagte alles aus Napster heraus, was zu holen war und erlangte somit den ersten Sieg in diesem Krieg: Naptster war tot!
Aber man unterschätzte die Macht des Internets: Wie Pilze sprießen sie aus dem Boden – und das bereits, während Napster noch im sterben lag: KAZaA und Edonkey sind nur zwei deren Vertreter… Es war wie der Kampf gegen die Hydra: Man schlägt einen Kopf ab, statt dessen wachsen zwei wieder nach… Daraus resultierte Fehler Nr. 2: Die Tauschbörsen wurden mit Viren und fehlerhaften Dateien geflutet, was die Akzeptanz der Anwendungen aber nicht schwächte, sondern – im Gegenteil – ein paar noch ausgeklügeltere Clients schuf. Mit der Bandbreite des Internetanschlusses stieg die Verbreitung von Tauschbörsen der Industrie über den Kopf, also überhäufte diese -Fehler Nr.3 - Tauschbörsennutzer reihenweise mit Abmahnungen und exorbitanten Klagen – nur um damit noch mehr potentielle Kunden zu vergraulen…
Ein (teilweiser) Kurswechsel musste her: Man versuchte, die MP3 kommerziell zu entdecken und schuf damit Fehler Nr. 4: DRM. Eigentlich eine gute Idee, Musikstücke vor der Weitergabe zu schützen. Aber moment: Hatten wir nicht das Recht auf eine Privatkopie? Oder haben wir all die Jahre Songs aus dem Radio etwa illegal auf Kassette aufgenommen? (Ja, ich kenne die gute alte MC noch)! Um uns nun vor unserem Recht zu schützen, schützen uns die Rechteinhaber auch gleich noch vor dem Abspielen auf MP3-Playern, Autoradios, etc… zu unser aller Ärger. Wer ließt denn schon das Kleingedruckte, dass uns sagt, dass all unsere gekaufte Musik ungültig wird wenn wir unser Napster-Abo kündigen? (Ja, Napster ist wieder da – als Zombie der Industrie)! Also, ich kaufe etwas, dass mir dann nicht gehört… diese Aussage trifft mindestens genauso zu, wie die, dass ein Musikstück als gestohlen gilt, wenn man es herunterlädt!
Dadurch hat diese Industrie ihre Legitimation fast schon verloren. Künstler sind ohnehin durch das Internet besser in der Lage, der Masse ihre Musik zugänglich zu machen…
Die Musikindustrie hat den Trend MP3 ganz klar verschlafen. Viele der heutigen Tauschbörsennutzer sprechen sich für eine Kulturflatrate aus. Was hätte man damit doch nur für Geld verdienen können? Und wären wir alle nicht glücklicher, nicht als kriminell hingestellt zu werden, nur weil wir die ein oder andere MP3 besitzen?
2. Die Filmindustrie
Mit der Bandbreite stiegen nicht nur die Nutzerzahlen von Tauschbörsen, auch das Angebot wurde vielfältiger. Wo früher noch langsame Modems in mühsamer Kleinarbeit stundenlang vor sich hintuckerten, um eine MP3 zu laden, jagen jetzt high-speed DSL-Anschlüsse nach den aktuellsten Filmen – und die finden sich schon meistens vor ihrem eigentlichen Kinostart im Netz.
Auch diesem Industriezweig missfällt diese Entwicklung… Doch im Gegensatz zur Musikindustrie erfolgte die Antwort mit Bezahlangeboten etwas schneller. Leider findet diese Art der Unterhaltung nicht das Maß an Anerkennung, dass sich die Macher davon erhofft hatten… Einen Internetstream bekommt man eben (noch) nicht so schön so schnell so einfach auf den großen Fernseher, wie ein DVD-Image…
Aber was macht die Filmindustrie eigentlich falsch? Vielleicht spricht dieses Bild mehr Worte als nötig:

Gut, das beantwortet vielleicht die Frage nach der DVD, aber warum gehen wir nicht mehr ins Kino? Die Antwort ist recht einfach: Die Filme sind größtenteils einfach Mist… Ein guter Film lockt doch nach wie vor Horden von Menschen ins Kino. Wie ist sonst das Einspielergebnis von The Dark Knight zu erklären?
Im Gegensatz zur Musikindustrie verliert die Filmindustrie ihre Legitimation jedoch nicht so schnell… Hinter starken Filmen muss nunmal ein starkes Budget stehen. Das wollen wir natürlich auch nicht leugnen, oder? Allerdings setzt Hollywood eindeutig mehr auf Profit als auf irgendetwas sonst… Und auf jeder gekauften DVD macht man uns darauf aufmerksam, dass Raubkopierer doch Verbrecher sind… Hat diesen Spot eigentlich schon mal jemand auf einer „Raubkopie“ gesehen?
3. Die Spieleindustrie
…Und dann war da noch EA könnte man auch sagen…
Spieleraubkopierer gibt es schon seit es Spiele gibt – nur war früher der Kopierschutz besser. Früher musste man noch aufwendig Drehscheiben oder Handbücher kopieren, heute reicht schon ein einfacher Crack aus. Dabei entwickeln die Hersteller immer neuere und immer bessere Kopierschutzmechanismen… die innerhalb von Stunden wieder hinfällig sind, weil irgendein Hobby-Cracker das ganze mal bearbeitet hat. Es ist sicher besser für alle, wenn wir nicht wissen, wie viele Millionen da pro Mechanismus in den Wind geschossen werden…
Aber jetzt hat EA wohl den Stein der Weisen gefunden: Spielen nur noch durch bestehende Internetverbindung – auch Singleplayer. Dieses System soll bei C&C 4 erstmals zum Einsatz kommen – und grenzt mehr als zuvor Nutzer ohne Internetanschluss aus. Aber deren Anzahl geht ja ohnehin gegen 0, also wohl hinnehmbare Verluste. Trotzdem sinken die Verkaufszahlen weiter. Doch auch in diesem Segment findet man schnell eine Lösung, auf die der eigentliche Hersteller nicht aufmerksam wird: Die Spiele sind unfertig, wenn sie auf den Markt geworfen werden. Bugs über Bugs stapeln sich da zur Frustration der Spieler. Zusätzlich werden ausgelutschte Serien bis zur Unkenntlichkeit verhunzt und ausgesaugt… Man hat ja schließlich einen namhaften Titel…
Also nun zum Kern: Warum kopieren wir?
Die bösen Raub-, Mord- und Genozidkopierer kopieren aus Sicht der Industrie aus einem starken Unrechtsbewußtsein heraus. Sie haben nicht das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun und tun es daher eben auch, richtig? FALSCH. Es gibt einen viel einfacheren Grund für Raubkopien: Protest!
Protest gegen:
- zu teure Musik oder Spiele
- unfertige Spiele
- die 20ste Fortsetzung eines Spiels oder Films
- schlechte Musik (sind wir mal ehrlich, was für super Musik gab es in den letzten Jahren? Das sind vielleicht 3 von 1000 produzierten Alben)
- Geldmacherei
- schlechte Filme (Warum darf Uwe Boll immer noch drehen?)
- fehlerhafte und unfertige Spiele
- und vor allem dafür, dass der Kunde nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern nur noch Dollarnoten
Die einzige Industrie die wirklich unter der Problematik leiden muss, ist wohl die Porno-Industrie, deren Konsumenten wohl lieber anonym im Internet ihr „Material“ sichten, statt das im Laden oder der Videothek zu tun…
Oder sehe ich das vielleicht zu einseitig? Ich bin offen für jede Meinung!
Entry Filed under: Gedanken, Musik, Software, TV. Schlagworte: analyse zur mediennutzung, drm, kopierschutz, Musik, onlineaktivierung, pc spiele, pornoindustrie, raubkopie, TV.
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1.
Axel | 24. Juli 2009 at 10:10
Recht haste. Uneingeschränkt…
… kommt selten aber. Ja so isses.